Wien als Ausweichstadt gegen deutsche „Regulierungswut“

Hamburg Trust sieht Opportunitäten in Österreich gerade wegen strengerer Regulierung.

Das Interesse deutscher institutioneller Investoren am Wohnungsmarkt in österreichischen Städten ist breiter gestreut, als Hamburg Trust anfänglich angenommen hätte.

Wir hatten zunächst gedacht, dass Österreich eher für Versorgungswerke interessant ist, die sich dort auch relativ leicht von der Steuer befreien lassen können. Aber wir sehen auch bei Versicherungen, für die das nicht gilt, großes Interesse“, erläutert Georg Reul, CEO von Hamburg Trust, im Gespräch mit IPE Institutional Investment.

Das Hamburger Immobilienhaus sieht in Wien sowie den zwei nächstgrößten österreichischen Städten Linz und Graz eine Chance zur Diversifikation für die Wohnimmobilienportfolios deutscher institutioneller Anleger.

„Es gibt eine Reihe von Investoren, die wegen der starken Regulierung vor allem am Wiener Wohnungsmarkt davon Abstand nehmen, dort Investitionen zu tätigen“, gibt Reul zu bedenken.

Allerdings gelten diese Regulierungen nur für Teilbereiche des Marktes und sind z.B. in Linz und Graz noch weniger zu spüren.

„Für uns waren österreichische Städte von Hamburg aus interessant, weil sie ein deutlich stärkeres Bevölkerungswachstum aufweisen als vergleichbare deutsche Städte und auch die wirtschaftliche Entwicklung positiv ist“, so Reul.

Gleichzeitig seien die Einstiegspreise im Mietwohnungsmarkt „verlockend“, weil sie deutlich unter jenen in deutschen Top-Städten liegen.

Allerdings hat Hamburg Trust schnell erkannt, „dass man ohne lokalen Partner nicht in den Wiener Wohnungsmarkt investieren kann“.

Deshalb wurde eine Kooperation mit Galleon Capital (GalCap) geschlossen, die die Ankäufe und das Immobilienmanagement vor Ort übernehmen. Geleitet wird das Unternehmen von Manfred Wiltschnig, der lange Vorstand der Immofinanz war und davor die Wien-Niederlassung der damaligen IVG geleitet hat.

„Durch die Regulierung des Wohnungsmarktes entsteht im mittleren Wohnsegment eine Mietobergrenze und hier gib es Investment-Opportunitäten. Das Segment Luxuswohnen interessiert uns dagegen nicht“, erläutert Reul.

Der Markt habe einen „ausgesprochen soliden, langfristigen Investmentcharakter“, vor allem auch weil durch die im Vergleich zu Deutschland deutlich niedrigeren Mieten „keine Überhitzung“ stattfinde. Darüber hinaus müssten die Menschen einen geringeren Teil ihres Einkommens für Wohnen aufwenden.

Für einen bereits bestehenden Deutschland-Wohnimmobilienfonds, der auch beschränkt in Österreich investieren kann, wurde bereits ein im Bau befindliches Objekt in Wien gekauft.

Hamburg Trust will in einem nächsten Schritt einen reinen Österreich-Wohnimmobilienfonds auflegen, der sowohl in Wien als auch Graz und Linz investieren soll. Dieser werde gerade von „vier institutionellen Investoren als Anlage geprüft“, bestätigt Reul.

Er hält fest, dass Österreich auch deshalb für deutsche institutionelle Anleger interessant sei, weil auch der „deutscher Wohnungsmarkt zunehmend politischer Einflussnahme ausgesetzt“ sei.

„Es gibt viele Investoren, die seit langem Wohnen in Deutschland im Portfolio haben und die das für ein sehr stabiles Investment halten. Aber im Moment wollen sie es nicht weiter ausbauen, weil sie erst sehen wollen, in welche Richtung sich die Regulierungswut der deutschen Regierung entwickelt“, so zeigt sich Reul überzeugt.

Er bestätigt, dass z.B. die Mietpreisbremse ein Element sei, „das Investoren abschreckt“.

„Für unseren Deutschland-Fonds finden wir zwar aufgrund unserer Marktkenntnis noch Objekte, aber erschwinglicher Neubau ist selten. Und durch die Auflagen und die hohe Nachfrage wird das Bauen immer teurer“, so Reul abschließend.

Quelle: institutional-investment.de, 19.12.2018